Übertragungsverluste

Bei der Energieübertragung in Hochspannungsleitungen treten Verluste durch den ohmschen Leitungswiderstand, durch Koronaentladungen und durch Abstrahlung bzw. die
Wellenimpedanz des Leiters auf.



Ohmsche Verluste


Bild 19
Beispiel für Leistungsverluste auf einer Leitung

Gegeben: Leitungswiderstand R

Übertragene Wirkleistung P und Scheinleistung S

Bild 20

d. h. die Verlustleistung nimmt bei gleicher Wirkleistung quadratisch mit der Spannung ab. Allerdings wird der Aufwand für die Isolation mit zunehmender Spannung größer. Die Übertragungsverluste betragen etwa 6 % je 100 km bei einer 110-kV-Leitung und lassen sich mit 800 kV Höchstspannungsleitungen auf etwa 0,5 % je 100 km reduzieren.


Vereinfachte Beispielrechnung

Ein Kraftwerk erzeugt 1200 MW elektrische Leistung, die elektrischen Leitungen können maximal 4000 A leiten und besitzen bis zur nächsten Stadt einen Gesamtwiderstand von 4 Ω. Aus der maximalen Strombelastung folgt, dass die Übertragungsspannung mindestens 300 kV betragen muss, gewählt wird 380 kV.

Daraus errechnet sich der tatsächliche Strom zu 3160 A. Gemäß der Formel P=R·I2 treten entlang der Fernleitung Verluste von 40 MW auf, das entspricht einem Übertragungsverlust von 3,3 %, der die Kabel erwärmt. In der Stadt kommen nur 1160 MW an.

Könnte man die Hochspannung verdoppeln, würde der halbierte Strom zu geringeren Verlusten von nur 10 MW führen. Diese Verdopplung ist wegen überproportional ansteigender Verluste durch Koronaentladung nicht möglich.



Koronaentladung


Bild 1

Eine sinusförmige Wechselspannung.
1 = Scheitelspannung,
2 = Spitze-Spitze-Wert,
3 = Effektivspannung,
4 = Periodendauer

Hochspannungsleitungen werden üblicherweise mit Effektivspannungen bis 400 kV betrieben, das entspricht bei der verwendeten Sinusform einem Scheitelwert von 566 kV. Immer dann, wenn dieser Scheitelwert erreicht wird, ist die elektrische Feldstärke rund um die Leitung so groß, dass die Durchschlagsfestigkeit der Luft fast erreicht ist. Dann wird die Luft in unmittelbarer Umgebung des Kabels ionisiert, also schwach leitfähig und es geht Leistung verloren. Da dieser Effekt an Spitzen besonders ausgeprägt ist, wird die Feldstärke an diesen Stellen durch Koronaringe reduziert. Je größer der Krümmungsradius, desto geringer ist die Feldstärke und die dadurch erzeugte Koronaentladung. Das Innere des Koronaringes ist weitgehend frei von elektrischen Feldern, deshalb kann dort keine Korona auftreten (siehe auch Faradayscher Käfig#Veranschaulichung).

Ein weiteres Mittel zur Reduktion der Spitzenentladung ist die scheinbare Vergrößerung des Krümmungsradius der Leitung durch Parallelschaltung von vier oder sechs Einzelkabeln zu einer Gruppe. Durch den vergrößerten Radius werden Feldstärke und Sprüherscheinungen verringert.

Eine weitere mögliche Maßnahme, die Feldstärke an der Oberfläche der Leitung zu reduzieren, wäre ein durchgehender Überzug mit einer Isolation. Im gleichen Maß, wie die Permittivität εr steigt, verringern sich Feldstärke und Sprüherscheinungen.
Die UV-Strahlung der Sonne würde aber jeden Überzug von Freileitungen sehr schnell zerstören.